Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern

Vergangene Weihnachten habe ich ein sehr schönes und interessantes Buch geschenkt bekommen:

In der Einleitung zu  „Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern“ ( Verlag Gerstenberg, Hildesheim 2017) erzählen Autor Roderick Cave und Autorin Sara Ayad wie sie von einem alten Exemplar des Robinson Crusoe auf die Idee gekommen sind, ein Buch über die Geschichte des Kinderbuches zu schreiben. Hier jedoch gleich vorweg gesagt: es handelt sich um eine Beobachtung der englischsprachigen Kinderliteratur. Deutschsprachigen Kinderbüchern wird nur ein Kapitel gewidmet, da sie selten ins Englische übersetzt wurden.

Es ist ein ziemlich großer, schwerer Band geworden, in zehn Kapiteln wird historische Kinderliteratur thematisch zusammengefasst. So gibt es etwa ein Kapitel über ABC-Tafeln und Abecedarien oder eines, das sich mit Tiergeschichten für Kinder beschäftigt, ein Kapitel berichtet über Literatur der Kriegs-und Nachkriegsjahre, ein anderes nennt sich Lesen macht schlau: Bildung für Kinder.

Die Autoren haben dabei eine sehr persönliche Auswahl getroffen. Sie schreiben in der Einleitung, dass es ihnen um Bücher ging, die von Kindern tatsächlich gelesen wurden, wobei sie in erster Linie illustrierte Bücher ausgewählt haben. Mir gefällt vor allem das Statement, dass die Bücher nicht die üblichen Klassiker sind sondern dass die Autoren teilweise sogar Bücher dargestellt haben, die ihnen gar nicht gefallen. Auch die sich wandelnden Verfahren in Buchherstellung, Marketing und Vertrieb  finden das Interesse von Cave und Ayad.

Man kann sicherlich berechtigterweise sagen, dass so gut wie alle Kinder (der westlichen Welt), die mit Büchern vertraut sind, auch die literarische Darstellung von Tieren erfahren haben. Wir alle kennen die Biene Maja, Winnie Puh, Bambi, die Tiere des Dschungelbuchs, und – zumindest im englischsprachigen Raum – Beatrix Potter’s Peter Rabbit. Wer aber kennt heute noch Die Abenteuer eines Dompfaffs oder Die Abenteuer der armen Mieze? Beide Bücher sind 1809 erschienen und waren zu ihrer Zeit große Erfolge.

Das finde ich an diesem Buch überhaupt am interessantesten: dass es aufzeigt, wie viele Bücher für Kinder schon geschrieben wurden  – das Verlegen von Kinderbüchern ist bereits seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ein wachsender Geschäftszweig – und welche bis heute bekannt sind. Auch die gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen sie entstanden sind, werden dargestellt. Das Kinderbuch als politisches Kommunikationsmedium. Aber auch: Das Kinderbuch als Erziehungsmittel. Und hier wiederum: die Vorgaben der Religion, transportiert im Kinderbuch.

Interessant dazu das Kapitel Lesen macht schlau: Bildung für Kinder. Bildung und somit auch Kinderliteratur war ja vorerst nur den oberen Schichten vorbehalten. Erst ab dem 19. Jahrhundert, als die neuen Drucktechniken es zuließen, höhere und damit billigere Auflagen zu drucken, entdeckten Verlage auch die Möglichkeit, Schulbücher herzustellen und das Buch damit auch an ärmere Schichten heranzubringen. Kinderbücher wurden „Business“.

Insgesamt ist Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern ein sehr interessanter und informativer Querschnitt durch die – englischsprachige – Kinderliteratur. Wie schon erwähnt, beschäftigt sich ein Kapitel auch mit deutschsprachigen Kinderbüchern, die es nach England geschafft haben. Dazu gehört Felix Saltens Bambi und Erich Kästners Emil und die Detektive, das auch in England ein großer Erfolg wurde. Wilhelm Buschs Max und Moritz wurde in England hingegen nur einmal aufgelegt.

 

 

 

 

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