Alices seltsame Reise

Kaninchen

*Vorgestellt von Petra Forster*
Alices seltsame Reise oder Wie ich das Wunderland lieben lernte

… von Lewis Carroll in Bearbeitung von Maximilian J. Modl und Kerstin Pell

Das Stück war eine special!junior!senior! Produktion für den Sommer 2016 der TheaterWerkstatt Haag.

Der Regisseur, Max J. Modl und Kerstin Pell, steckten die zauberhafte Geschichte von Alice im Wunderland in neue Kleider. Schauplatz war eine Welt, in der hinter den Spiegeln alles möglich ist. Inszeniert wurde das Stück gemeinsam von Jugendlichen, Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung.

Man solle das Stück mit den Augen des Kindes in uns sehen – und keinesfalls mit dem Verstand, wenn möglich mit dem Herzen. Das war der Wunsch des Regisseurs. Das Bühnenbild war interessant und stimmungsvoll gestaltet. Ebenso wurde auch der Stadtplatz rund um die Bühne mit einbezogen.

Den Großteil des Stückes verbringt man als Zuseher im Wunderland und lernt dabei auf sehr humorvolle aber auch anspruchsvolle Art und Weise die besonderen Charaktere aus Alices Fantasiewelt kennen. Sehr kreativ und mit einer enorm großen Gestaltungsvielfalt wurden diese Figuren dargestellt. Vermutlich ist es allerdings in solchen Szenen vorteilhaft, kennt man die Originalversion dieses Stückes.

Alice hinterfragt immer wieder das Handeln der Akteure im Wunderland. Oft bezeichnet sie sie als sinnlos. Dabei sind die Dialoge sehr komplex und abstrakt gestaltet. Es werden Wortspielereien zerpflückt – die Konfitüre wird zur Zimmertüre – oder doch Türe mit Komfort?

Als Zuseher ist man gefordert mitzudenken, kombinieren und Gegebenheiten mal andersherum zu hinterfragen.

Generationsübergreifend war nicht nur die Besetzung, sondern auch versteckte Pointen. Diese kamen einerseits aus aktuellen Internet-Videos aber auch aus lange verstaubten Westerndramen.

"It's teatime!"

„It’s teatime!“

Die Szene der „Tea-Party“ wurde, wie viele andere auch, sehr natürlich und professionell gespielt.

An der linke Bühnenseite fand ein jugendliches Orchester seinen Platz, das Stimmungen, und Emotionen musikalisch zum Besten gab.

Nicht nur das Orchester – auch das Publikum wurde des öfteren in das Stück mit einbezogen. Etwa als die Gerichtsverhandlung der Herzkönigin begann, mussten sich alle erheben.

Am 2. August fand die Schlussaufführung statt. Es gab lauten Applaus – die Programmhefte, die zu einem Fächergefaltet waren, konnte man zum Applaudieren verwenden. Man spürte einen starken Zusammenhalt dieser im März entstandenen Gruppe. Theaterspiel ist eben mehr, als Drehbuch und Dramaturgie auf der Bühne.

Eine generelle Altersempfehlung war aus Programm und Plakat nicht ersichtlich. Für wortgewandte und belesene junge Menschen ab ca 12 Jahren, ist dieses Stück mehr als empfehlenswert.

Alice im Wunderland wäre ein wunderbar fantasievoller Nährboden für die Literaturvermittlung – auch schon für jüngere Kinder.Beginnen könnte man mit einem imaginären Spaziergang durch das Wunderland und sich dabei ganz langsam das Gedicht des Jabberwockis auf der Zunge zergehen zu lassen…

… was könnte damit wohl alles gemeint sein?

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