Kindgerecht?

*vorgestellt von Marion Hofer*

Die letzte Runde, die ein „altes“ Paar tanzt, begann mit einem Cha-Cha-Cha, einem Tango, einem Flamenco und einem clownesken Walzer. Nicht immer haben sie in ihrer Beziehung einen gemeinsamen Rhythmus gefunden. Mal sind sie aus dem Takt gesteppt, mal schwingen sie in harmonischer Einigkeit. Eine Beziehung in der Gleichmäßigkeit der Gewohnheit, die immer wieder aus dem Twist von Enttäuschung, Einsamkeit und Gleichgültigkeit durch die Kraft der Liebe in die Balance zurückfindet.

Während die beiden tanzen, werden sie immer kräftiger und stürmischer und fühlen sich zurück versetzt in ihre vergangene Jugendzeit. Der Tanz des Paares hinter dem Schleier spiegelt Vergänglichkeit wider. Die Erinnerung wachzuhalten bedeutet aber auch, der Vergesslichkeit die Stirn zu bieten. Was wir schon getanzt haben, können wir nicht mehr zurücknehmen, steht im Programm.
Das mag gut oder schlecht sein, aber in jedem Fall ist es das Leben.

Ohne Worte

Isabel Verlaine Defaux und Miguel Camino Fueyo von der Compagnie de la Casquette kommen in „Los Yayos“ ohne Worte aus. Die Musiker und Geräuschkünstler Josselin Moinet und Mehdi Missoumi betonen jede Bewegung mit Klängen und Melodien.
Dem neunjährigen Paul aus Dornbirn hat genau das an der Eröffnungsveranstaltung des internationalen Theaterfestivals „Luaga & Losna“ am besten gefallen. Sein Blick fokussierte sich deshalb auf den Bühnenrand, wo zu den klassischen Instrumenten wie Gitarre oder Violine sogar Zeitungen, Dosen und die Brummstimme eines Teddybären zum Einsatz kamen. Das tanzende Paar selbst war für den Buben, mit seinen vielen Wiederholungen an manchen Stellen, einfach zu langweilig.
„Nur manchmal waren sie lustig“, sagt der Volksschüler und verrät: „Ich hab auch schon Theater gespielt. Das hat mir total viel Spaß gemacht.“

Weniger wäre mehr gewesen

Das Stück dauert gute 60 Minuten und wird als Tanztheater für Kinder ab 6 Jahren angegeben. Weniger wäre mehr gewesen, denn meiner Meinung nach waren die Tanzszenen und die zahlreichen Wiederholungen zu langatmig. Manche Darstellungsformen wie das rhythmische Zerhacken eines Apfels sind kritisch zu hinterfragen.
Als Auftaktveranstaltung für „Luaga & Losna“, einem internationalen Theaterfestival für ein junges Publikum, war „ Los Yayos“ nur bedingt geeignet, finde ich.
Ich hätte ein populäreres, ja massentaugliches Stück besser gefunden mit dem Hintergedanken, Lust auf mehr zu machen.

 

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