Der schwarze Hund

*Vorgestellt von Christa Öhlinger*
Levi Pinfold, Autor und Illustrator des schwarzen Hundes, lebt in einem Haus in Cornwall, in dem es spukt. Er hat selbst aus einem Autofenster heraus einmal einen schwarzen Hund gesehen. Aber vielleicht war es auch ein Panther, so ganz sicher ist er sich da nicht… so steht es im Klappentext.
Vorstellen kann ich mir das gut, wenn ich seine Illustrationen anschaue: Ein Haus wie ein Turm, einsam im winterlichen Wald – es könnte spuken dort drin.
Ja, drin: Eine Art Villa Kunterbunt zum Entdecken, Gruseln, Schmunzeln… so ein Kinderzimmer hätte ich auch gerne gehabt und überhaupt – der Charme des Chaotischen, Kreativen mit der Hingabe zum Detail durchweht die Räume, von denen ein unheimlichen Zauber ausgeht. Allzu gerne würde man den (leider verschütteten) englischen Tee kosten!
Und die Geschichte: Ein schwarzer Hund taucht auf und will die Familie Hoop („Hope“ in der englischen Originalversion) besuchen.
Aber die macht sich vor Angst fast in die Hosen:  Mit jedem Familienmitglied, das den Hund draußen entdeckt, wird der Hund größer und größer (zu lesen und zu sehen auf der linken Bilderbuchseite in Sepiaminiaturen): Von Tiger- zu Elefantengröße wächst er gar zu Tyrannosaurus Rex-Dimensionen heran – ein riesiges Auge glotzt zum Badfenster herein, schwarzes Fell vor dem Kinderzimmerfenster – Angst und Schrecken breiten sich aus und alle verstecken sich unter einer Decke.
Alle?
Klein (wie kurz), das jüngste Mitglied der Familie geht trotz eindringlicher Warnungen nach draußen: „Dort beugte sich der schwarze Hund zu ihr hinab und ATMETE. Meine Güte, du bist WIRKLICH groß, sagte Klein…
Also gut, wenn du mich fressen willst, musst du mich erstmal kriegen.“
Und dann beginnt eine witzige Verfolgungsjagd durch Schnee und Eis über einen skurrilen Spielplatz bis nach Hause durch die Katzenklappe. Dabei singt Klein in meiner Lieblingsszene:
„Du bist zu schwer, das Eis ist dünn, nimm lieber ab, sonst bist du hin.“

Und tatsächlich: mit jedem Reim von Klein wird der Hund kleiner, bis er tatsächlich durch die Katzenklappe passt.
Die Familie hat sich in der Zwischenzeit verbarrikadiert, erkennt dann aber, dass bei genauerer Betrachtung der Hund weder böse noch gefährlich zu sein scheint…(„We were silly, only Small knew the right thing to do!…You`ve got a lot of courage, facing up to a big, fearsome thing like that.“)
„Da war nichts, vor dem ich mich hätte fürchten müssen“, stellt Klein Hoop zu guter Letzt fest.
Ich kenne diesen Hund – auch ich habe ihn irgendwo gesehen, im Traum vielleicht.
Er will mich fressen, zerquetschen, zermalmen… bläst sich auf und wächst mir über den Kopf. Schaue  ich ihn genauer an, schrumpft er zusammen… besonders dann, wenn jemand bei mir ist.
Es gibt Bücher, die rühren uns an – ein Glücksfall, wenn wir sie finden…

 

Der schwarze Hund
Levi Pinfold
Bilderbuch
Verlagshaus Jacoby & Stuart
2012
28 Seiten
Levi Pinfold

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